Fassadenlesen.
Spaziergehendes Seminar.
Am 13.6. abends im Karmeliter-Viertel
Spaziergehendes Seminar.
Am 13.6. abends im Karmeliter-Viertel
Im Stillen haben wir uns - wenn wir durch eine Stadt gehen und die Fassaden der Häuser ansehen - wohl alle schon mal gefragt, was uns diese Häuser alles erzählen würden, wenn sie denn sprechen könnten.
Die Frage ist durchaus berechtigt, und Fassaden können mehr von sich erzählen, als uns auf ersten Blick vielleicht klar ist. So seltsam das auf zunächst auch erscheinen mag: ein Haus, eine Fassade erzählt uns immer etwas über sich, und wir können – wenn wir über geeignete Werkzeuge verfügen - diese Informationen lesen.
In der Psychologie kennen wir diese Strategie schon seit langem. Dort ist die Physiognomik (griechisch φύσις/physis, Natur, Gestalt, γνώμη/gnōmē, Erkenntnis), als diejenige Fertigkeit bekannt, aus einem unveränderlichen, physiologischen Äußeren - etwa einem Gesicht - auf seelische Eigenschaften hinter diesem Gesicht zu schließen. Seit der Antike, als diese Technik als Geheimwissenschaft und als magische Aneignungsstrategie aufkam, versucht man sich an solchen Deutungen.
Die Frage ist durchaus berechtigt, und Fassaden können mehr von sich erzählen, als uns auf ersten Blick vielleicht klar ist. So seltsam das auf zunächst auch erscheinen mag: ein Haus, eine Fassade erzählt uns immer etwas über sich, und wir können – wenn wir über geeignete Werkzeuge verfügen - diese Informationen lesen.
In der Psychologie kennen wir diese Strategie schon seit langem. Dort ist die Physiognomik (griechisch φύσις/physis, Natur, Gestalt, γνώμη/gnōmē, Erkenntnis), als diejenige Fertigkeit bekannt, aus einem unveränderlichen, physiologischen Äußeren - etwa einem Gesicht - auf seelische Eigenschaften hinter diesem Gesicht zu schließen. Seit der Antike, als diese Technik als Geheimwissenschaft und als magische Aneignungsstrategie aufkam, versucht man sich an solchen Deutungen.
Wie in Gesichtern lesen
Eine Fassade ist sicher einfacher und unproblematischer zu lesen als ein Gesicht, und wir wissen auch, wie: durch vergleichende Zuschreibungen, durch Ähnlichkeitsanalysen, durch tastende Interpretationen. Das Handwerkszeug dazu kommt aus vielen unterschiedlichen Bereichen: aus der unmittelbaren Nachbarschaft des zu lesenden Objekts, aus unserem Wissen, aus der Wahrscheinlichkeitsmathematik. Natürlich entschlüsseln wir mit solch einer Technik keine Tatsachen, sondern Emotionen: unser Wissen, unsere Gefühle, unsere Bezüge konstruieren die Wirklichkeit des betrachteten Objekts.
Die moderne Neurologie benützt ähnliche Strategien des Aufbaus, der Vernetzung und der dadurch ausgelösten neuerlichen Veränderung in unseren Gehirnen mittels komplexer, neuronaler Schaltkreise, um die hochkomplizierten Arbeitsweise unseres Gehirnes besser verstehen zu lernen. Bei der Analyse von Menschen arbeitet man mit Begriffen wie "engstirnig" oder "schmallippig", oder spricht von einem "energischen Kinn", einem "offenen Gesicht", einer "Denkerstirn", von "listigen Augen" oder von einem "leeren Blick". Man kommt also zu Bedeutungszuschreibungen über visuelle Beobachtungen. Dieses intuitive Verhalten wenden wir in einem spaziergehenden Seminar auf die Vielfalt der Wiener Fassaden an. Der Ausgangspunkt und das Ende des Seminars ist zufällig: Ziel ist, auf spielerische Art und Weise ein analytisches und beschreibendes Handwerkszeug kennenzulernen, das man Anwenden kann, um in Fassaden lesen zu können wie in Gesichtern.
Die moderne Neurologie benützt ähnliche Strategien des Aufbaus, der Vernetzung und der dadurch ausgelösten neuerlichen Veränderung in unseren Gehirnen mittels komplexer, neuronaler Schaltkreise, um die hochkomplizierten Arbeitsweise unseres Gehirnes besser verstehen zu lernen. Bei der Analyse von Menschen arbeitet man mit Begriffen wie "engstirnig" oder "schmallippig", oder spricht von einem "energischen Kinn", einem "offenen Gesicht", einer "Denkerstirn", von "listigen Augen" oder von einem "leeren Blick". Man kommt also zu Bedeutungszuschreibungen über visuelle Beobachtungen. Dieses intuitive Verhalten wenden wir in einem spaziergehenden Seminar auf die Vielfalt der Wiener Fassaden an. Der Ausgangspunkt und das Ende des Seminars ist zufällig: Ziel ist, auf spielerische Art und Weise ein analytisches und beschreibendes Handwerkszeug kennenzulernen, das man Anwenden kann, um in Fassaden lesen zu können wie in Gesichtern.
Durchs städtische Gewebe. Situationistisch.
Das analysierende Spazierengehen ist ein situationistisches Verfahren, das heisst: das Seminar lässt sich auf die Anregungen des Geländes und entsprechender Begegnungen ein. Ausgangspunkt und Endpunkt sind zufällig, trotzdem werden wir während des Seminars ein ausgeprägtes psycho - geographisches Profil unseres Untersuchungsgebietes mit beständigen Strömen, festen Punkten und Strudeln kennenlernen. Die zuschreibende, assoziative Analyse des erkennbaren Charakters dieses städtischen Gewebes, die Rolle von Mikrozonen und die soziale Morphologie werden dabei unseren Weg bestimmen.
Fassadenlesen.
Von und mit
Klaus-Jürgen Bauer
Er gehört zur Creme der heimischen Architekten-Riege, wobei er den störrisch-subversiven Quadranten für sich besetzt hat. Neben seinen zahlreichen Architektur-Projekten tritt Klaus-Jürgen Bauer besonders auch als architektur-ästhetischer Autor hervor.
Unbedingt lesenswert - auch als Einstimmung für unser Fassadenlesen - sein
Journal der Orte!
Von und mit
Klaus-Jürgen Bauer
Er gehört zur Creme der heimischen Architekten-Riege, wobei er den störrisch-subversiven Quadranten für sich besetzt hat. Neben seinen zahlreichen Architektur-Projekten tritt Klaus-Jürgen Bauer besonders auch als architektur-ästhetischer Autor hervor.
Unbedingt lesenswert - auch als Einstimmung für unser Fassadenlesen - sein
Journal der Orte!
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